In Kneipe und Supermarkt ist der Tomatensaft ein echter Ladenhüter. Einzig als scharfe „Bloody Mary“ genießt ihn so mancher beim Katerfrühstück. So verblüffend wie ungeklärt ist das plötzlich auftretende Tomatensaft-Phänomen im Flugzeug. Schon mal bemerkt? Bei Flugreisen gelüstet es plötzlich überdurchschnittliche viele Passagiere nach ... Tomatensaft.
Laut der Getränke-Statistik einer deutschen Fluglinie wurden in einem Jahr folgende Getränkemengen serviert:
1. Orangensaft 70.200 Liter
2. Wasser 65.280 Liter
3. Cola 44.280 Liter
4. Tomatensaft 41.340 Liter
5. Apfelsaft 37.440 Liter
Im Vergleich dazu belegt der Tomatensaft in der allgemeinen Saft-Statistik, in der Apfelsaft ganz eindeutiger Spitzenreiter ist, einen der hinteren Plätze.
Gleich vorweg: Auch HOKOHOKO kann dieses Rätsel nicht aufklären. Hier sind jedoch einige Theorien:
GANZ EINFACH GESUND
Über den Wolken ist der Anteil der „Freien Radikalen“ (Antioxidantien) besonders hoch. Das in der Tomate enthaltene Lycopin schützt davor. Möglicherweise greifen Fluggäste ganz unbewusst zum gesundheitsfördernden Getränk.
GEGEN TROCKENE FLUGZEUGLUFT
In der besonders trockenen Flugzeugluft, verliert der Reisende mehr Flüssigkeit und damit auch mehr Salze als auf dem Boden. Ebenso wie Tomatensaft ein elektrolyt-reiches Helferlein bei Durchfall ist, liefert er dem Körper im Flugzeug Flüssigkeit und die benötigten Salze.
ANGST VOR DEM FLUGZEUG-WC?
Auch der Gang auf das mikrokleine Flugzeug-WC bleibt dem Tomatensafttrinker mit höherer Wahrscheinlichkeit erspart: Tomatensaft ist eines der wenigen Getränke, das nicht harntreibend wirkt.
SCHLAPPE GESCHMACKSNERVEN
Durch den Unterdruck im Flugzeug sind die Geschmacksnerven etwas schlapp. Tomatensaft mit Salz, Pfeffer und sogar Tabasco oder Worcestersauce verspricht trotzdem ein würziges Geschmackserlebnis.
FLUGZEUG-MAHLZEIT ZU KLEIN?
Manchem Passagier beflügelt die Höhenluft die Phantasie: Man will schon gehört haben, dass Tomatensaft als Gazpacho (kalte Gemüsesuppe) ohne Einlage oder Spaghetti ohne Nudeln durchgingen. Na dann guten Appetit :-)
ME-TOO-EFFEKT
Vielleicht ist aber auch alles ganz anders: Flugbegleiter berichten, dass ein bestellter Tomatensaft im Flugzeug häufig zu einer Ich-auch-Kettenreaktion führt. Auf anderen Flügen wird die Crew den Tomatensaft nicht los. Warum das in Restaurants nicht ebenso funktioniert, erklärt diese Theorie allerdings nicht.
Noch andere Ideen?
Wer weiß, warum der Tomatensaft im Flugzeug so gerne getrunken wird, ist herzlich eingeladen, seine Ideen hier im Forum zu veröffentlichen.